Der November gilt für viele Fotografen als eher triste Zeit: Nebel hängt schwer über den Gewässern, die Tage sind kurz, das Licht wirkt gedämpft und farblos. Und doch birgt gerade diese Jahreszeit eine besondere Magie – vor allem, wenn man sich auf die Suche nach einem der farbenprächtigsten Vögel Europas macht: dem Eisvogel.
Warum der November ein guter Monat für Eisvogelfotografie ist
Obwohl man den Eisvogel vor allem mit sommerlichen Auenlandschaften verbindet, bringt der Spätherbst klare Vorteile mit sich. Mit dem Fallen der Blätter werden Sitzwarten, Ansitzäste und Gewässerkanten besser sichtbar. Dadurch erhöht sich die Chance, einen Eisvogel beim Jagen zu beobachten und frei zu fotografieren. Im Sommer tummeln sich Spaziergänger, Hunde und Wassersportler an Seen und Flüssen. Im November hingegen kehrt Ruhe ein – ideal für scheue Arten wie den Eisvogel. Während grelle Sommersonne schnell zu ausgefressenen Highlights führt, sorgt das diffuses Herbstlicht für wunderbar weiche, stimmungsvolle Farben. Vor allem der türkis-blaue Rücken des Eisvogels wirkt bei gedämpftem Licht besonders intensiv. In den letzten Wochen konnte ich das blaue Juwel unser heimischen Vogelwelt, nahe der Ruhr ausgiebig beobachten und auch fotografieren.
Akustische Hinweise
Eisvögel sind sehr Standorttreu und halten auch im November ihr Revier. Sie nutzen häufig die selben erhöhten Sitzwarten, wo sie ausdauernd ihre Beute auflauern, um von dort blitzschnell auf die Fische zu stürzen. Obwohl er so bunt ist, ist er nicht immer so leicht zu entdecken, viele Menschen kennen ihn nur von Fotos oder aus der Fernsehwerbung. Oft verrät sich der Eisvogel durch seinen hohen, pfeifenden Ruf, den er bevorzugt ausstößt wenn er in niedriger Höhe über die Gewässer in seinem Revier umher saust. Besonders aktiv sind die bunten Vögel in den frühen Morgenstunden.
Ausrüstung & Einstellungen für graue Tage
Die dunklere Jahreszeit stellt technische Herausforderungen, jedoch sollte man hohe ISO-Werte nicht scheuen. Moderne Kamera liefern auch bei ISO Werten von 1600-6400 noch gute Ergebnisse, lieber etwas rauschen als verwackelte Bilder. Die hier präsentierten Bilder sind mit Brennweiten zwischen 100-840mm entstanden. Während früher häufig ein formatfüllendes Bild für mich das Ziel war, nutze ich heute auch gerne mal weniger Brennweite. Dafür nutze ich liebend gerne mein Canon RF 100-500mm, mit dem ich sehr flexibel bei der Bildgestaltung bin und qualitativ keine Abstriche machen muss. Für Flugaufnahmen sind schnelle Verschlusszeiten unabdingbar, 1/2000s oder schneller sind hier ideal. Hier eignet sich das Kameraprogramm Zeitpriorität (TV oder T) in Verbindung mit Auto-ISO am besten. Bei ruhenden Eisvögeln kann man natürlich deutlich langsamer arbeiten.
Geduld ist der entscheidende Faktor
Egal wie gut die Ausrüstung oder das Licht ist – Eisvogelfotografie verlangt Geduld. Im November werden die Wartezeiten wegen des geringeren Lichts manchmal länger, aber genau in dieser Ruhe entsteht die Nähe zur Natur, die man hinterher auf den Bildern spürt.
Fazit
Wer bereit ist, früh aufzustehen, aufmerksam zu beobachten und geduldig zu warten, wird mit einzigartigen, stimmungsvollen Aufnahmen belohnt. Ich finde der Eisvogel ist, auch wenn es inzwischen Millionen von Aufnahmen gibt, weiter ein tolles Motiv, mit dem man hervorragend den „November-Blues“ bekämpfen kann.













