Eine unerwartete Begegnung
Wenn man nach der Dämmerung im Wald unterwegs ist, gibt es diesen einen Moment, in dem die Geräusche verstummen und man das Gefühl hat, nicht mehr allein zu sein. Genau dieses Gefühl war der Anfang meines Naturfotoprojekts über den Uhu – der größten aller Eulen und einen Vogel, der in unserer Landschaft zugleich geheimnisvoll, majestätisch und erstaunlich schwer zu entdecken ist. Es war Ende Oktober, die Uhren waren bereits auf die Winterzeit umgestellt und ich befand mich in der Dämmerung auf dem Rückweg zu meinem Fahrzeug. Eigentlich war ich an diesem Nachmittag nur wegen der Pilzfotografie im Wald unterwegs und hatte die Zeit wie so oft vergessen. Ich glaubte ein paar Amseln aufgeschreckt zu haben, sie schlugen Alarm und ich dachte „war nicht meine Absicht, tut mir leid“. Als ich auf einmal ein dumpfes „Buho buho“ vernahm, war mir klar, dass jemand anderes anwesend ist und die Amseln in Aufruhr gebracht hat. Mein Blick schweifte sogleich in Richtung der Baumkronen, die noch mit Resten des Herbstlaubes bestückt waren. Ich bewegte mich nicht und hielt mit angestrengten Blick minutenlang inne. Erst als ich meinen Weg fortsetzte wechselte ein Schatten in den grauen Buchen seinen Platz. Da war er, deutlich konnte man gegen den Himmel seine Silhouette mit den markanten Federohren erkennen. Dieser kurze Moment war der Beginn eines Naturfotoprojektes, das mich Monate lang begleiten sollte.
Magische Momente bei Dämmerung
In der folgenden Zeit suchte so oft es mir möglich war zur Dämmerung den Wald auf. Viele Abende verbrachte ich im Wald, oft begleitet vom „Buho“ des Männchens, das sein Revier markiert. Durch die inzwischen blattlosen Bäume war es relativ leicht, die großen Eulen auszumachen und die häufigen Besuche führten dazu, dass ich die Lieblingsplätze nach und nach kennenlernte. Meist wurde das Männchen kurz vor Sonnenuntergang aktiv und suchte höhere Ansitze auf. Es gehört zu den magischen Momenten in der Natur, wenn ein großer Vogel wie der Uhu absolut lautlos nur wenige Meter an einen vorbeifliegt. Hierbei entstanden erste Bilder, die ich mir zuvor nicht hätte vorstellen können.
Brutgeschehen
Uhus nutzen in Mitteleuropa inzwischen bevorzugt Felswände mit ihren Nischen als Brutplatz. Daher war es abzusehen, dass „meine“ Uhus einen am Waldgebiet angrenzenden Steinbruch für ihre Brut nutzen werden. Die Balzaktivität hatte Ende Januar ihren Höhepunkt erreicht und Mitte Februar konnte ich das Weibchen zum ersten Mal in einer Nische des Steinbruchs, auf dem vermutlich 1. Ei sitzen sehen. Leider war es mir trotz der häufigen Besuche nicht vergönnt, während der Balz eine Paarung zu beobachten, geschweige diese fotografieren zu können. Anfang April konnte ich bei einem Besuch zum ersten Mal 3 junge Uhus entdecken. Das Männchen verbrachte den Tag immer relativ versteckt an einer Baumwurzel in der Kante zum Steinbruch mit Blick auf die Brutmulde. Zur Dämmerung flog er immer einen bestimmten Felsabschnitt an, wo man ich gut sehen und fotografieren konnte. In den folgenden Wochen und Monaten wuchsen die Jungvögel heran und verwandelten sich von den flauschigen Jungvogel in halbstarke Uhus. Alle drei Nachkömmlinge sind durchgekommen, zumindest konnte ich sie bis Ende August beobachten, dem Zeitpunkt wo sie das elterliche Revier verlassen.
Uhus im Flug
Uhus konnte ich in der Vergangenheit bereits an anderer Stelle häufig fotografieren. An einer sehr bekannten Location im Ruhrgebiet, kann man auch sehr gut Flugaufnahmen in der Dämmerung realisieren, da der dortige Steinbruch relativ freie Flugbahnen bietet. In einem Wald ist dieses gleichwohl ein schwierigeres Unterfangen, da die Bäume zum einen viel Licht abhalten und zudem auch oftmals im Weg stehen. Trotzdem wollte ich es nicht unversucht lassen und es sind ein paar passable Aufnahmen dabei entstanden, wenn auch leider keine perfekte Frontalaufnahme. Man kann es als durchaus herausfordernd ansehen, selbst einen relativ langsam fliegenden Vogel wie den Uhu im Wald im Sucher zu behalten.
Silhouetten als Stilmittel
Die Fotografie von Eulen findet in der Regel zu Zeiten statt, an denen das Licht knapp wird und der fotografischen Grenzbereich regelmäßig erreicht wird. Eine Option ist es, mit Silhouetten zu experimentieren. Die Fotografie von Silhouetten wirkt besonders eindrucksvoll, wenn man Tiere wie Uhus abbildet. Im Gegenlicht erscheint der Uhu nur als dunkle Form, doch seine charakteristischen Ohrbüschel und der kräftige Körper machen ihn sofort erkennbar. Vor einem farbigen Himmel im Abendlicht oder auf einem Ast sitzend entsteht ein ruhiges, fast mystisches Bild. Gerade bei Uhus unterstreicht die Silhouette ihre geheimnisvolle Ausstrahlung und lässt die majestätische Haltung des Vogels noch stärker wirken – ohne dass ein einziges Detail sichtbar sein muss.
Ein magischer Morgen
In einer Nacht im Dezember war der Himmel klar und die Temperaturen gingen erstmals in diesem Winter unter den Gefrierpunkt. Als die Sonne am Horizont aufging, tauchte sie den Buchenwald in ein magisches Licht.
Es ist wieder Herbst, es ist wieder die Zeit der Pilze. Unzählige Stunden habe ich in den letzten 12 Monaten im Wald verbracht und habe dabei jede davon genossen. Anfangs gab es Tage, an denen ich sie nur rufen hörte, inzwischen sind mir alle Tageseinstände bekannt und ich habe das Gefühl das sie mich akzeptieren und teilweise sogar ignorieren. Es gab Momente, wo das Männchen eine nicht für mögliche Nähe zu lies und uns nur wenige Meter auf Augenhöhe trennten. Ich bin gespannt wie es weiter geht und ich habe noch einige Motive auf meiner Wunschliste, dazu gehören unter anderen Bilder mit Schnee, leider hatte es nur an 2 Tagen des vergangenen Jahres einen Hauch von Schnee in meinen Breitengraden gegeben.
Beiwerk
Natürlich gibt es neben den Uhus auch anderes im Wald zu entdecken…














































