Schon lange stand der Gran Paradiso Nationalpark auf unserer Reisewunschliste, in diesem Sommer konnten wir es endlich in die Tat umsetzen und wir verbrachten einige Tage in Italiens 1. Nationalpark. Dieser liegt im Nordwesten des Landes, in den Region Piemont und Aostatal im Dreiländereck zwischen Frankreich, Italien und der Schweiz. Namensgeber ist der 4061m hohe Gran Paradiso, der gleichzeitig auch der höchste Berg Italiens ist, der komplett auf italienischer Fläche steht. 1922 schenkte der König Vittorio Emanuel III. seinem Volk das Gebiet, welches zuvor seinem Großvater als Jagdrevier diente. Dieser hatte das Gebiet um 1856 zum Schutz des Alpensteinbocks eingerichtet, der zu diesem Zeitpunkt fast im gesamten Alpengebiet nahezu ausgerottet war. Durch den Schutzstatus als Nationalpark galt ab 1922 ein Jagdverbot, wodurch eine einzigartige Fauna erhalten blieb.
Infrastruktur
Der Gran Paradiso erstreckt sich rund um das Massiv des gleichnamigen Berges auf einer Fläche von rund 700 Quadratkilometern, er unterteilt sich in 5 Haupttäler. Unser Ziel war ein Campingplatz im Valmontey, ein Seitental des Cognetals, erreichbar es über Aosta in ca. 45 Autominuten. Die kurvenreiche Straße ist bis zum Hauptort Cogne gut ausgebaut, im Ort gibt es mehrere Hotels und viele Pensionen bzw. Ferienwohnungen. Das kleine Zentrum ist belebt, aber selbst in der Hauptsaison nicht überlaufen – Cogne ist für seinen sanften Tourismus bekannt. Etwas unterhalb vom Zentrum gibt es einen großen gebührenpflichtigen Stellplatz für Wohnmobile. Die Zufahrtsstraße ins Valmontey ist durch ein Hochwasser im Sommer 2024 in weiten Teilen weggerissen worden, aktuell fährt man über eine Behelfsstraße zum kleinen Weiler. Hier gibt es neben zwei naturnahen Campingplätzen eine Hand voll Restaurants bzw. Bars. Zwischen Cogne, dem Valmontey und Lillaz verkehren Busse. In den Höhenlagen gibt es mehrere Berghütten mit Verpflegung und Schutzhütten, im Nationalpark gibt es keine Gondelbahnen oder Skilifte.
Fotomöglichkeiten
Das Tal ist geprägt durch den Fluß Montey und den schneebedeckten Gran Paradiso, Herbétet und San Pietro mit ihren vergletscherten Gipfeln. Die meisten Naturfotografen dürften es auf die Möglichkeit abgesehen haben, Steinböcke und Gämse in ihrem alpinen Umfeld zu fotografieren. Im Nationalpark wird die Steinbockpopulation auf ca. 2500 Tiere geschätzt. Alle heute in den Alpen vorkommenden Populationen, stammen von denen im Aostatal ab. Neben den bereits erwähnten Gämsen, gibt es in den Höhenlagen viele Murmeltiere. Wolf. Fuchs und Luchs kommen als Beutegreifer vor, mit Glück kann man am Himmel einen Bartgeier oder Steinadler erspähen. Weitere seltene Vögel wie Birkhuhn, Auerhahn, Alpenschneehuhn oder Mauerläufer kommen ebenfalls vor. Der Name Gran Paradiso ist Programm, es ist wahrlich ein großes Paradies für Tiere. Da die Tiere seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr bejagt werden und im Nationalpark Hunde grundsätzlich verboten sind, haben die meisten von ihnen geringere Fluchtdistanzen als anderswo. Für Landschaftsaufnahmen ist besonders der Herbst zu empfehlen, da sich überwiegende Baumart im Talgrund, die Lärche ab Anfang Oktober verfärbt. Zahlreiche Wasserfälle eignen sich als Motiv, hier sind vor allen die Fälle in Lillaz zu nennen.
Auch Botaniker kommen auf ihre Kosten. Während unseres Aufenthaltes waren viele Alpenblumen am blühen und auf den Matten standen abertausende Fruchtstände der Alpenküchenschelle, zu Blütezeit muss dies ein wahnsinnig schöner Anblick sein. Am Rande des Valmontey gibt es zudem einen schönen Botanischen Garten mit mehr als 1.000 Alpenpflanzen. Während unserer Wanderungen wurden wir an den Wegrändern von zahllosen Schmetterlingen und Insekten begleitet, es empfiehlt sich auch ein makrofähiges Objektiv im Rucksack zu haben.
Alpensteinböcke, Gämsen und Murmeltiere
Die Möglichkeit Alpensteinböcke vor die Kamera zu bekommen, war auch für uns der Hauptgrund in diese Region zu reisen. Diese halten sich zu dieser Jahreszeiten in der Regel in Höhen von über 2000 Metern auf und sind am besten Morgen und Abends in den Dämmerungszeiten zu beobachten, da sie dann aktiv bei Nahrungsaufnahme sind. Tagsüber ruhen sie meist in schattigen Gebieten. Auf unseren Wanderungen im Valmontey hatten wir das Glück mehrere imposante Böcke zu entdecken und fotografiere zu können. Meist waren sie wenig scheu und man konnte sich relativ nah an die Tiere heranpirschen. Bei den Gämsen verläuft der Tagesablauf ähnlich, allerdings sind diese deutlich vorsichtiger und halten gegenüber den Menschen mehr Abstand. Trotzdem kommen diese durchaus häufig in den Abendstunden in den Talgrund um zu äsen.
Gute Möglichkeiten Steinböcke und Gämse zu entdecken, gibt es in den Höhenlagen rund um das Rifugio Vittorio Sella. Die auf 2500 Höhenmeter gelegene Hütte erreicht man nach einer gut 2 stündigen Wanderung, sie eignet sich auch sehr gut für einen Zwischenstopp. Es werden verschiedene lokale Gerichte angeboten, die servierte Polenta mit Ziegenkäse war grandios. Unweit der Hütte konnten wir nachmittags dem ersten Steinbock sichten, der sich oben auf einem Hügelkamm einen Rastplatz gesucht hatte. Auf dem Weg zum Laghi del Lauson, sind uns dann weitere begegnet und an den Hängen hielten sich zahlreiche Gämsen auf.
Rund um das Rifugio kann man mit ziemlicher Sicherheit, Murmeltiere bei ihren lustigen Treiben zusehen. Die Nager sind ebenfalls in den späten Nachmittagsstunden recht aktiv.
Schmetterlinge im Gran Paradiso Nationalpark
Wie bereits erwähnt begleiteten uns auch den Wanderungen entlang der Wege sehr viele Schmetterlinge, besonders zahlreich waren sie am Talgrund auf den Blumenwiesen anzutreffen. Vor dem Frühstück bot sich hier die Gelegenheit, den ein oder anderen hübschen Falter in seiner Ruheposition zu fotografieren.
Besonders erfreut war ich, dass ich gleich mehrere Exemplare des Roten Apollofalters entdecken konnte. So zahlreich wie hier, habe ich ihn bis dato an keiner anderen Stelle sehen können.
Fazit
Der Gran Paradiso ist für den engagierten Naturfotografen ein lohnendes Ziel, welches wir mit ziemlicher Sicherheit in den nächsten Jahren nochmals aufsuchen werden. Gerne würden wir dann den Herbst nutzen, um auch die anderen Täler zu erkunden. Besonders das Valsavarenche würde uns dann interessieren, da auch hier eine große Anzahl an Steinwild vorkommen soll und das Tal als das Herz des Gran Paradiso bezeichnet wird. Etwas Schade war die Tatsache, dass durch das verheerende Hochwasser im Vorjahr, viele der Wanderwege in Mitleidenschaft gezogen wurden und daher noch gesperrt waren. Für Camper ist die Region aufgrund der Infrastruktur sehr zu empfehlen, neben den bereits erwähnten Möglichkeiten in Cogne und Valmontey, gibt es auch in Lillaz mehrere Möglichkeiten zum übernachten. Die Standgebühren sind übrigens deutlich unter dem Durchschnitt.
























